29.09.2002 - RTT-Lohmar
Trainer: Jana Oettel & Henny Marcussen

Ich habe lange überlegt, ob ich mit Noah schon an einem solchen Seminar teilnehmen kann, ... weil er so schwer ruhig zu halten ist. Natürlich ist Noah sehr apportierfreudig und er holt und bringt auch prima, das ist nicht das Problem ...... leider kann er nicht still warten, ... leider kann er eigentlich überhaupt nicht warten. Aber im Grunde sind Seminare ja dazu da, dass man an Problemen arbeitet, oder?

Also habe ich uns angemeldet und möchte nun kurz berichten:

Wir waren 4 Teams und ich kann gleich vorweg nur sagen, dass alle, die nicht babei waren, etwas wirklich Tolles verpasst haben. Für uns war es einfach traumhaft, weil es Jana und Henny durch die geringe Teilnehmerzahl möglich war, sehr individuell auf die einzelnen Teams einzugehen.

Zunächst gab es einen Walk up und jeder Hund bekam eine Markierung, damit der Leistungsstand der einzelnen Teams deutlich wurde. Anschliessend wurden wir in zwei Minigruppen geteilt, sodass jeweils ein Trainer mit 2 Teams arbeiten konnte - fast ein Einzeltraining! Noah und ich gingen zu Jana.

Wir begannen damit, dass die Hunde einzeln abgeleint wurden und Jana eine Markierung warf. Der Hund hatte still neben seinem Führer zu sitzen und nicht einzuspringen. Erst einmal klang das sehr schwierig, aber nachdem jedes Mal, wenn die Anforderungen nicht erfüllt wurden, Jana einfach schneller am Dummy war - hatten die Hunde unheimlich schnell verstanden, worauf es ankam. Immer wieder korrigierte Jana das Verhalten der Hundeführer, erklärte warum die Hunde so und nicht anders reagierten und dass es sehr oft an uns selbst lag, wenn es nicht nach Wunsch lief. Sie machte uns auf Kleinigkeiten aufmerksam und in sehr kurzer Zeit hatte ich einen völlig konzentrierten Hund! Ich sagte SITZ und konnte mir sicher sein, dass es auch bei dem SITZ blieb! (Am morgen noch unvorstellbar) Es flog ein Dummy und Noah sass immer noch an meinem Bein. Ein ganz leises APPORT genügte und er schoss los, holte das begehrte Stück und brachte es in meine Hand zurück. Dann wurden die Umstände erschwert: Jana kündigte das fliegende Dummy mit einem Ruf an, ja klatschte sogar in die Hände, und Noah sass immer noch an meiner Seite - er hatte verstanden! Der jeweils nicht arbeitende Hund sollte möglichst ruhig neben seinem Führer sitzen und warten. Diese Aufgabe war für uns weitaus schwieriger. Das Zuschauen fällt Noah sehr schwer - wir gingen jedesmal, wenn Noah sich wieder fiepend beschwerte, ein paar Schritte weg. Wenn er ruhig und konzentriert neben mir ging, kehrten wir zurück - mit der Zeit wurde es deutlich besser und Noah konnte eine Markierung für den anderen Hund zwar bebend aber still ertragen. Das war wirklich mehr, als ich vorher zu hoffen gewagt hatte.

Nachdem die beiden Teams unserer Minigruppe diese Aufgabe mit Janas Hilfe wirklich gut gelöst hatten, wechselten wir das Gelände und versuchten ein (für Noah und mich allererstes) Einweisen. Zunächst als "Trockenübung": Ich erfuhr, wie ich Noah schon allein mit meiner Körpersprache konzentrieren und leiten kann - und tatsächlich: er folgte mit seinem Blick meiner Hand.

Ich muss sehr ruhig bleiben, sowohl in meinen Bewegungen, als auch mit meiner Stimme, damit auch Noah ruhig wird und bleibt.

Jede schnelle Bewegung oder Hektik meinerseits kann Noah zum sofortigen reagieren bewegen. Also sehr dosiert agieren! Nun wurden mehrere Dummies rund um einen Strommast verteilt. (Die Hunde konnten dies beobachten - blieben aber sitzen.) Es kam darauf an, dass der jeweils arbeitende Hund erst auf das Kommando VORAN (verbunden mit der entsprechenden Körperhilfe) losstürmt und eines der Dummies auf dem direkten Wege ohne zu tauschen zurückbringt. Also versuchten wir es: Noah sitzt - wie vorher brav gelernt, unangeleint und völlig ruhig (ja wirklich!) neben mir.

Ich schiebe nun sehr vorsichtig und langsam (um ein einspringen zu vermeiden) meine Hand in die Richtung, in die Noah laufen soll, Noah beobachtet erst mich und meine Hand und plötzlich schaut er an meiner Hand vorbei in die richtige Richtung VORAN und wirklich: Noah startet auf mein Kommando, packt ein Dummy und kommt auf meinen zeitgleichen Pfiff sofort zu mir zurück. Toll! Kein Fiepen, kein Einspringen, kein Tauschen! Das haben wir in dieser relativ kurzen Zeit geschafft! Ich war und bin nachhaltig beeindruckt von Jana, die so wunderbar in den Hunden "liest" und uns absolut verständlich vermitteln konnte, worauf es wirklich ankommt und nicht zuletzt von meinem eigenen Hund.

Nach einer wohlverdienten Pause wurde in der "grossen" Gruppe mit 4 Teams und 2 Trainern gearbeitet (purer Luxus, oder?). Die Hunde sollten über Hindernisse springen. Zunächst flog ein Dummy hinter einem kleinen Zaun und wieder hatte der arbeitende Hund abgeleint ruhig neben seinem Führer zu sitzen und auf sein Kommando zu warten: APPORT und dann HOPP.... ups, Noah schien sich den Sprung nicht zuzutrauen, aber mit ein wenig Motivation und Hilfe ging das auch - der Rückweg mit dem Dummy schien schon leichter für ihn zu sein. Nun soll ich Noah noch einmal in die Wiese schicken. Warum? (Zwischenzeitlich hatte Henny dort ein weiteres Dummy geworfen, welches ich nicht gesehen hatte - Noah dagegen schon.) Auch das funktionierte wunderbar. Zwischendurch bekamen wir immer wieder Hilfen und Korrekturen. Es wurde viel erklärt und wir haben manchen Aha-Effekt mitbekommen. Es ist wirklich enorm, was die einzelnen Teams in diesen Stunden für Fortschritte machten.

Später ging es ans Wasser - oje - das war meine grösste Sorge, war Noah doch hier absolut nicht steady! So hatte ich natürlich auch meine Mühe, als die anderen Teams arbeiten durften und wir in der "Warteschleife" standen. Die Wassergeräusche waren einfach zu animierend, Noah konnte die Anspannung kaum ertragen. Ich führte Noah immer wieder ausser Sicht und lenkte ihn ab, konnte ihn teilweise sogar konzentriert halten, wenn ein anderer Hund ins Wasser ging. Als wir dran waren, erlebte ich abermals eine Überraschung: Noah blieb sitzen, obwohl das Dummy ins Wasser klatschte! Natürlich haben wir das einige Male üben müssen. Noah hatte jedoch tatsächlich verstanden. Nun sollte er nach Möglichkeit erst das Dummy bei mir abliefern und sich dann erst schütteln. Puh... entgegen meiner bisherigen Vorgehensweise (ganz nah am Ufer stehen, damit er keine Gelegenheit hat), sollte ich plötzlich verschwinden, wenn Noah das Dummy gepackt hatte..... ich bekam ein Zeichen, wenn Noah dran war und pfiff ihn zurück... und mein Hund kam zu mir - tropfnass! Ich bekam das Dummy, dann durfte er sich schütteln. Nun hiess es, ihn ruhig zu HALTEN, aber Noah war so aufgeregt, wollte er doch gleich weiter machen.... ich konzentrierte ihn also wieder und ging mit ihm zurück, das war nicht so einfach, denn er hatte es eilig und ich selbst war mir nicht sicher, ob ich ihn "halten" konnte. Beim nächsten Versuch ging ich sehr langsam und sprach leise und bewusst ruhig mit ihm - das ging schon viel besser und es gelang mir, ihn abermals ruhig neben mir abzusetzen....

Dann wurde es noch schwieriger. Links wurde eine Markierung an Land geworfen und im Wasser lag bereits (von Noah unbemerkt) ein zweites Dummy. Die Markierung sollte liegen bleiben und ich sollte Noah auf das im Wasser liegende Dummy einweisen. Gut... Hund konzentrieren, meine Hand geht im Zeitlupentempo Richtung Dummy - Noah scheint die Richtung anzunehmen: VORAN: er rannte los, aber er konnte das Dummy nicht sehen (Zweige in seiner Sichthöhe) - fand es nicht, also pfiff ich ihn zurück und wechselte den Standpunkt. Wieder ruhig sitzen, warten, konzentrieren.... VORAN, JA! Super, das hat geklappt :-). Dann soll Noah VORAN geschickt werden, obwohl überhaupt kein Dummy zu sehen ist. Trotzdem lässt er sich von mir schicken und plötzlich fliegt da auch ein Dummy :-) .................

Noah habe "einen guten style" und sei ein sehr guter Markierer habe ich mir dann noch sagen lassen *freu*. Dies alles ist noch sehr frisch und natürlich kann ich hier nicht jede einzelne Übung detailliert aufschreiben, aber vielleicht gibt es interessierten Menschen zumindest einen kleinen Einblick von dem, was sie verpasst haben.

Es war ein so erfolgreicher Tag und ich bin sicher, dass eine Menge von meinen unzähligen Eindrücken sich erst einmal "setzen" muss, aber eines weiss ich jetzt schon: das war nicht unser letztes Dummyseminar und hoffentlich auch nicht unser letztes bei diesen tollen Menschen!

Trainingscenter TQ
Jana Oettel mit Lanagan

Danke Jana! - Danke Henny

aktualisiert: 24.11.06