Dieser Artikel aus 'Das deutsche Hundemagazin 8/2000' hat bei uns den Stein ins Rollen gebracht:

Die Retriever-Familie zeichnet sich durch Hunde aus, die eigens zum Zweck des Apportierens, vorzugsweise aus dem Wasser, gezüchtet wurden und noch werden, aber keine "jagenden" Hunde. Ihre Aufgabe war, das geschossene Wild heranzubringen, nichts weiter. Sie eignen sich daher hervorragend als Familienhunde, weil sie nicht das Bestreben haben, auf eigene Faust jagen zu gehen und nicht den Drang besitzen, jeder Spur oder jedem Stück Wild folgen zu müssen. Ausnahmen bestätigen, wie bei jeder Rasse, die Regel.

Unterschiedliche Arbeitsweisen der Retriever
Die vielfältigen Retriever hatten dennoch ihrer Heimat entsprechend unterschiedliche Arbeitsweisen zu Lande oder zu Wasse. Der bis vor wenigen Jahren bei uns vollkommen unbekannte Hund aus Kanada fällt aus dem typischen Retrieverrahmen heraus. Sein Name bedeutet Enten-Heranlock-Apportierhund aus Nova Scotia, was sowohl seine Herkunft , als auch seine Arbeitsweise verdeutlicht. Inzwischen hat dieser kleinste Retriever einen beachtlichen Freundeskreis gewonnen.

Einmalige Geschichte
Die Geschichte dieser Rasse ist einmalig. Neuschottland oder Nova Scotia ist eine kanadische Halbinsel am Atlantik. Diese Küstenregion ist ein bedeutender Rastplatz für ziehende Wasservögel. Seit Jahrtausenden nutzen die roten kanadischen Füchse den reich gedeckten Tisch, wenn die Enten rasten. Die Indianer beobachteten, wie die schlauen Reinekes gänzlich unbefangen am Ufer hin und her tobten und offenbar zu spielen schienen.. Die neugierigen Wildenten indes schwammen heran, um zu sehen, was da los war und schon sprang ein versteckt auf der Lauer liegender Fuchs ans Ufer und packte sich die Ente.
Die Indiander machten es den Füchsen nach. Sie schickten ihre ebenfalls rötlich gefärbten Hunde ans Ufer uns ließen sie dort mit Stöckchen spielen und hin und her rennen, bis die Enten nahe genug heran waren, um mit Pfeil und Bogen erlegt zu werden. Als im 19. Jahrhundert die weissen Siedler dies beobachteten, griffen sie natürlich die Methode mit ihren mitgebrachten Hunden auf. Heute noch verwendet man die Toller in der ursprünglich von den Füchsen vorgemachten Weise.
Der Jäger sitzt am Ufer in einem Versteck. Von dort aus wirft er für den Hund Bälle, der Hund tobt und vollführt Bocksprünge am Ufer und bringt den Ball zurück. Unermüdlich spielt und apportiert er und die Enten bezahlen ihre Neugier mit dem Leben. Nach dem Schuss hat der Toller das Vergnügen, die Beute voller Eifer aus dem eiskalten Wasser an Land zu holen.
Die besten Hunde hatte ein Mann namens Allen aus Yarmouth. Sie sollen von leberfarbenen Retrievern abgestammt haben, doch Genaues weiss man nicht. Man vermutet Einkreuzungen des einheimischen Wasserhundes, Cocker Spaniel, Golden Retriever, Irish Setter und gar Collie, der die buschige Rute und die weissen Abzeichen beigesteuert haben soll.
Erst 1945 wurde die Rasse vom Canadian Kennel Club offiziell anerkannt. Die Züchter haben die Rasse nie publik gemacht, um breite Vermarktung zu vermeiden, doch verheimlichen ließ sich der Toller nicht und der Lauf der Dinge dürfte kaum aufzuhalten sein.

Beschäftigung muss sein
Der Duck Toller bietet alles, was man sich unter einem guten Haus- und Familienhund vorstellt. Er ist von handlicher Größe und besitzt ein pflegeleichtes wasserabweisendes Haarkleid. Er ist leicht zu erziehen und gehorsam. Unermüdlich ist der angeborene Spieltrieb, man kann seinen Hund stundenlang mit Stöckchen und Ballspiel beschäftigen. Natürlich liebt er das Wasser, schon die Welpen schrecken nicht vor eiskaltem Wasser zurück.
Toller zeigen hervorragende Nasenleistung, Bringtreue, Bringselverweis und Stöbern. Sie bieten damit dem Jäger, der auch einen guten Haus- und Familienhund sucht, eine interessante Alternative. Nur eines sind Toller nicht: Wach- und Schutzhunde. Im Haus sind sie ausgesprochen ruhig und bellen kaum. Sie sind menschenfreundlich, insbesondere Kindern gegenüber geduldig und liebevoll. Auch mit anderen Haustieren verträgt sich der Toller prima. Der intelligente, bis ins hohe Alter erspielte Hund braucht eine Aufgabe und Beschäftigung. Eine jagdliche Ausbildung wäre ideal,, aber auch Dummytraning, Agility und Teamsport sind für diese Rasse sehr gut vorstellbar. Der einzeln gehaltene Toller ist leichtführig und gehorsam. Er neigt weder zum Streunen noch zum Wildern. Zu mehreren gehalten besteht allerdings eher die Neigung, einem Hasen hinterherzujagen, denn Gehorsam in einer Meute gestaltet sich bei jeder Rasse schwieriger als beim Einzelhund, dem sein Herr die Meute ersetzt.

Sensationelle Wasserpassion

Auffallend ist die starke Passion zu schwimmen und zu apportieren. Es gibt kaum einen Bach oder Teich, den der Toller nicht zum Bade nutzt oder um darin nach Stöcken zu tauchen. Jeder Tollerbesitzer kann beobachten, wie sein Hund vorzugsweise am Flussufer oder am Meeressaum entlangläuft, sofern er die Möglichkeit dazu hat.
Das schlichte, pflegeleichte nicht verfilzende Haarkleid trocknet rasch ab, sobald sich der Hund nach dem Schwimmen heftig geschüttelt hat. Er bleibt dabei stets sauber und bedarf nur gelegentlichen Bürstens. Der Toller ist ein amüsanter Freizeithund, der Wind und Wetter nicht scheut, der seine Familie auf allen Wegen gerne begleitet, der stets zu Spiel und Spass aufgelegt ist, und der gleichzeitig ein angenehmer nie hysterischer Hausgenosse ist. Ein Hund mit Zukunft!

aktualisiert: 27.09.07